Archiv der Kategorie: Lesung

Wort und Totschlag

Stefan Behr macht kurzen Prozess

Stefan Behr. Foto: Peter Jülich

Mord und Totschlag sind in Frankfurts Gerichtssälen keine seltenen Gäste. Aber oft sind es die kleinen Prozesse, über die man Bücher schreiben könnte. Stefan Behr hat es mit »Frankfurt – Kleinstadt des Verbrechens« getan, aber es gibt noch sehr viel mehr zu erzählen. Stefan Behr hat versprochen, zu seiner Lesung einen bunten Strauß der Blumen des Bösen mitzubringen. Und er wird darüber berichten, wie die Verbrecher in die Zeitung kommen und warum er selbst manchmal vor Zorn zum gedanklichen Verbrecher wird, wenn er seine Artikel am Morgen danach dort liest. Und doch haben seine schrägen, mit viel Augenzwinkern und einer gehörigen Portion Ironie erzählten Reportagen in der Frankfurter Rundschau eine feste Fan-Gemeinde.
Stefan Behr, 1966 in Offenbach geboren, wuchs in Bad Homburg auf und studierte in Tübingen dies und das, aber nichts zu Ende. Zur Strafe wurde er dazu verdammt, ewig und drei Tage Gerichtsreportagen für die Frankfurter Rundschau zu schreiben. Die Hälfte der Zeit hat er schon abgesessen.

Freitag, 03. Februar 2023, 19:30 Uhr, Stadtteilbibliothek Rödelheim, Radilostraße 17-19
Eintritt: 6 Euro (ermäßigt 4 Euro). Für Häppchen und Wein sorgt der Förderverein FörSteR.

Frida – Auf der Suche nach meiner verfolgten Großmutter

Das Buch erscheint Ende Januar 2023

Im Frühjahr 1931 taucht Frida Grünfeld zum ersten, aber keineswegs letzten Mal in einer Polizeiakte auf. Sie ist slowakische Jüdin, Prostituierte, und man verdächtigt sie staatsfeindlicher Umtriebe. Außerdem ist sie schwanger und muss ihr Kind eine Woche nach der Geburt zu Pflegeeltern geben. Von da an verliert sich ihre Spur. Ihr Sohn Berthold gelangt später nach Norwegen und wird zu einem angesehenen Psychiater. Was mit seiner Mutter geschehen ist, hat er nie erfahren – bis seine Tochter Nina Grünfeld sich auf die Such nach ihrer Großmutter macht. Nach jahrelangen Recherchen in europäischen Archiven zeichnet Nina Grünfeld Fridas Leben nach, die 1944 von den Nazis verhaftet und zunächst nach Auschwitz deportiert wurde. Als Zwangsarbeiterin im KZ Außenlager Walldorf war Frida am Bau der Rollbahnen des Frankfurter Flughafens beteiligt, bevor ihr Leidensweg im April 1945 in Ravensbrück endete.

Der Übersetzer Ulrich Sonnenberg und Cornelia Rühlig, Leiterin der KZ-Gedenkstätte Walldorf, stellen Nina Grünfelds Buch »Frida – Auf der Suche nach meiner verfolgten Großmutter« vor – eine berührende Geschichte und ein außergewöhnliches Denkmal für vergessene Opfer in der NS-Zeit.

Freitag, 17. März 2023, 19:30 Uhr, Stadtteilbibliothek Rödelheim, Radilostraße 17-19, Eintritt: € 6.- (ermäßigt € 4.-). Für Häppchen und Wein sorgt der Förderverein FörSteR

Lebendiger Adventskalender: Der Schweinachtsmann

Der Schweinachtsmann von Jörg Hilbert, vorgetragen von Försterinnen und Förstern am 9. Dezember 2022.

Große Aufregung bei den Weihnachtsmännern. Weihnachtsmann Rupert hat sich beim Nüsse knacken den Daumen geklemmt und ist nicht einsatzfähig. Ein Ersatzmann muss her. Weihnachtsmann Hektor hat die Lösung: »Ich hätte da noch ein Schwein im Stall …«

Jörg Hilberts höchst amüsante Geschichte vom Schweinachtsmann und seinen Abenteuern am Heiligen Abend wurde im Rahmen des Lebendigen Adventskalenders von Mitgliedern des Fördervereins der Stadtteilbibliothek Rödelheim FörSteR e.V. gelesen.

Uwe Wittstock: Februar 33 – Der Winter der Literatur

Uwe Wittstock. Foto: privat

»Februar 33 Der Winter der Literatur« erzählt die ersten sechs Wochen von Hitlers Herrschaft aus der Perspektive der deutschen Schriftsteller. Es ging rasend schnell. Der Februar 1933 war der Monat, in dem sich für die kritischen Schriftsteller in Deutschland alles entschied. Uwe Wittstock erzählt in seinem Bestseller die Chronik eines angekündigten und doch nicht für möglich gehaltenen Todes. Von Tag zu Tag verfolgt er, wie das glanzvolle literarische Leben der Weimarer Zeit in wenigen Wochen einem langen Winter wich und sich das Netz für Thomas Mann und Bertolt Brecht, für Else Lasker-Schüler, Alfred Döblin und viele andere immer fester zuzog, während sich für Autoren mit nationalen Neigungen ungeahnte Karrieremöglichkeiten eröffnen.

»Ein erschütternd spannendes Buch.« Elke Heidenreich, Spiegel Online.

Uwe Wittstock ist Literaturkritiker und Buchautor. Bis 2017 war er Redakteur des Focus, für den er heute als Kolumnist schreibt. Zuvor hat er als Literaturredakteur für die FAZ, als Lektor bei S. Fischer und als stellvertretender Feuilletonchef für die Welt gearbeitet. Er wurde mit dem Theodor-Wolff-Preis für Journalismus ausgezeichnet.

Freitag, 14. Oktober 2022, 19:30 Uhr, Stadtteilbibliothek Rödelheim, Radilostraße 17-19. Eintritt: 6 Euro (ermäßigt 4 Euro). Für Häppchen und Wein sorgt wie immer der Förderverein FörSteR.
Aufgrund der aktuellen Corona-Situation kann es zu Einlassbegrenzungen kommen. Bitte informieren Sie sich bei der Stadtteilbibliothek Rödelheim (069 / 21230775 oder per E-Mail: roedelheim@stadtbuecherei.frankfurt.de) und nutzen Sie unbedingt den Vorverkauf.

Krimilesung im Brentanobad

Henry Jaeger – Ein Spitzbube in der Literatur
Jakob Stein über einen Frankfurter Gauner und Autor

Norbert Rojan alias Jacob Stein. ©privat

In seinem Leben hat der 1927 in Frankfurt-Bornheim geborene Henry Jaeger viele Höhen und Tiefen erlebt. Er war ein erfolgreicher Schwarzmarkthändler, der Kopf einer Räuberbande, Zuchthäusler, Bestsellerautor, Playboy und ab Mitte der 1960er-Jahre schillerndes Mitglied der Künstlerkolonie um Erich Maria Remarque in Ascona. Im Jahr 2000 ist er bitterarm in Ascona verstorben und heute so gut wie vergessen.

Jakob Stein liest aus seinem Roman „Der Gröschatz“ über diesen außergewöhnlichen Frankfurter Autor. Darüber hinaus stellt er einige Bücher von Henry Jaeger selbst vor, die es wieder zu entdecken gilt. Gemeinsam mit Henry Jaegers Sohn Marcus und der Leiterin des Frankfurter Kriminalmuseums, Polizeihauptkommissarin Anja Lange, beleuchtet Jakob Stein die unterschiedlichen Lebensstationen Henry Jaegers, vom »Kopf der raffiniertesten Räuberbande der Bundesrepublik«, so der SPIEGEL 1954, bis zum charmanten Lebemann und gescheiterten Familienmensch.

Norbert Rojan nennt sich als Autor Jakob Stein. Seit 1991 lebt er in Frankfurt, arbeitete in der legendären Huss’schen Universitätsbuchhandlung, im Eichborn Verlag und dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels, bis er 2001 den B3-Verlag und 2010 mit seiner Frau Sybille Nolte den Hessen Shop gründete, der im Herbst 2021 seine Zentrale nach Rödelheim verlegt hat.

Freitag, 8. Juli 2022, 20 Uhr (Einlass: 19:45 Uhr) im Brentano-Bad (Haupteingang Rödelheimer Parkweg gegenüber Stadion). Eintritt frei (um einen ausgelesenen Krimi als Spende für den Krimipool im Brentanobad wird gebeten). Bei Regen findet die Lesung in den Räumen des Brentanobades statt. Eine Veranstaltung des Quartiersmanagements Rödelheim-West in Zusammenarbeit mit FörSteR e.V. und freundlicher Unterstützung der Bäderbetriebe BBF.

Frankfurt liest ein Buch 2021

Eva Demski. Foto: Förster

29.10.2021: Eva Demski liest aus Scheintod

Frankfurt am Main 1974. Ein Anwalt wird tot in seiner Kanzlei aufgefunden. Die Umstände seines Todes sind ungeklärt. Die Polizei ermittelt: Er war Anwalt der linken Szene, zu seiner Klientel gehörten RAF-Mitglieder, Rocker, Junkies und Strichjungen. Seine Frau, die seit drei Jahren von ihm getrennt lebt, beginnt, sich noch einmal mit ihm auseinanderzusetzen: mit seiner Arbeit, seinem Leben – und ihrer Liebe. Was weiß sie eigentlich von diesem Mann, den sie einmal geliebt hat, der ihr so vertraut war? Bald gerät die Witwe selbst ins Visier der polizeilichen Ermittlungen, wird der Mitwisserschaft an politischen Aktivitäten verdächtigt. Um zu begreifen, sucht sie seine Kollegen auf, Mandanten aus der Halbwelt, Genossen und ehemalige Revolutionäre.

„Scheintod“, den Roman einer Liebe zu Zeiten großer politischer Unruhen, lobte die Süddeutsche Zeitung als »literarische Glanzleistung«. Eva Demski, geboren 1944 in Regensburg, lebt in Frankfurt am Main. Für ihr literarisches Werk wurde sie vielfach ausgezeichnet, 1988/89 war Eva Demski Stadtschreiberin von Bergen-Enkheim.

Deniz Ohde liest aus »Streulicht«

Deniz Ohde. Foto: Förster

1.10.2021: Wahrhaftig und einfühlsam erkundet die in Frankfurt-Sindlingen aufgewachsene Deniz Ohde in ihrem großartigen Debütroman »Streulicht« die feinen Unterschiede in unserer Gesellschaft. Satz für Satz spürt sie den Sollbruchstellen im Leben der Erzählerin nach, den Zuschreibungen und Erwartungen an sie als Arbeiterkind, der Kluft zwischen Bildungsversprechen und erfahrener Ungleichheit, der verinnerlichten Abwertung und dem Versuch, sich davon zu befreien.

»Ein bestürzender Bildungsroman, der bis in kleinste Bewegungen sichtbar macht, wie Ausgrenzung und Abwertung funktionieren.« Frankfurter Allgemeine Zeitung

Deniz Ohde, geboren 1988 in Frankfurt am Main, studierte Germanistik in Leipzig. Für ihren Debütroman »Streulicht« wurde sie mit dem Literaturpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung 2020 und dem Aspekte Literaturpreis 2020 ausgezeichnet.

Die Nordseefalle

Die erste Lesung in der Bibliothek nach langer Unterbrechung: Ulrich Sonnenberg (li.) im Gespräch mit dem Autor Tilman Spreckelsen.

Freitag, 25. September: Tilman Spreckelsen liest aus seinem Theodor Storm-Krimi

Der Ruf der Macht und die Macht des Meeres – der Husumer Anwalt Theodor Storm ermittelt wieder. Ein Mord in Husum und die Sagen um die versunkene Stadt Rungholt führen Storm und seinen Schreiber Peter Söt 1844 auf die Insel Föhr. Dort verbringt der dänische König den Sommer. Zu seinem Hofstaat gehört auch der Dichter Hans Christian Andersen. Was bedeuten die Unfälle, in die Andersen verwickelt wird? Gibt es Hofintrigen gegen ihn? Weiß er etwas über die verschwundene Schatzkarte von Rungholt? Storm hat es bei seinen Ermittlungen mit mächtigen Gegnern zu tun – und übersieht beinah die größte Gefahr: den »Blanken Hans«, die Nordsee selbst.

Tilman Spreckelsen studierte Geschichte und Germanistik in Freiburg und ist seit 2001 Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Als Autor und Herausgeber hat er zahlreiche Bücher und Anthologien veröffentlicht. 2014 erhielt Tilman Spreckelsen für seinen Krimi »Das Nordseegrab« den Theodor-Storm-Preis der Stadt Husum.

Raumwunder: fast 50 Besucher fanden unter Einhaltung der Abstandsregeln in der Bibliothek Platz.

Krimilesung im Brentanobad

Elsemarie Maletzke liest aus »Magnolienmord«

Nach monatelanger Zwangspause endlich wieder Literatur im Stadtteil: am Freitag, 21. August, konnten Krimi-Fans im Brentanobad Elsemarie Maletzke lauschen, die vor der Kulisse eines atemberaubenden Abendhimmels aus »Magnolienmord« las.

Elsemarie Maletzke

Simon Jankowskis schwacher Punkt sind seine geliebten Magnolien. Um sie zu retten, lässt er sich auf einen gefährlichen Handel mit einem Erpresser ein. Denn Simon hat mehr als seinen Ruf und seinen Job zu verlieren. Der angesehene polnische Wissenschaftler schmuggelt seltene und streng geschützte Pflanzen außer Landes. Als ihm ein Kollege auf die Schliche kommt und droht, ihn auffliegen zu lassen und Simons Magnolien zu vernichten, ist er bereit, als Kurier ein geheimnisvolles Päckchen nach Frankfurt zu bringen, um es auf dem alten jüdischen Friedhof zu deponieren. Doch als die passionierte Gärtnerin Elinor das Päckchen findet, ist Simon dem Tode nahe und Elinor wird zur Gejagten.

»Maletzke schreibt außerordentlich gut, sehr anschaulich, mit viel Augenzwinkern, Schwung und Eleganz, mit Spaß an der Sprache und an ihren skurrilen Figuren.«

Ursula May, hr2-Kultur

Elsemarie Maletzke begann 1968 in der Redaktion der Satire-Zeitschrift Pardon und ging 1974 als Deutschlehrerin nach Irland. Zurück in Deutschland arbeitete sie als Redakteurin bei Titanic und Pflasterstrand. Seit Anfang der 1980er Jahre veröffentlicht sie Reiseführer, Biographien und Gartenbücher. 2009 wurde sie mit dem Robert-Gernhardt-Preis ausgezeichnet. Elsemarie Maletzke lebt und arbeitet als Reisejournalistin und Autorin in Frankfurt am Main.

Was heißt hier »wir«?

Professor Dr. Heinrich Detering. Foto: Förster

31.1.2020: Heinrich Detering zur Sprache der parlamentarischen Rechten

Rechte Politiker sprechen von »Entsorgung«, von »Umvolkung«, von »Kopftuchmädchen« und »Messermännern«. Davon, dass Hitler ein »Vogelschiss« gewesen sei. Und vor allem nehmen sie für sich in Anspruch, für »uns« und »unser Deutschland« zu sprechen. Doch was für ein »Wir« setzen sie da überhaupt voraus?

Der Literaturwissenschaftler und Leibnitz-Preisträger Heinrich Detering wirft einen unaufgeregten wie scharfen Blick auf die Rhetorik der parlamentarischen Rechten – und zeigt, wie ihr Anspruch, für »das Volk« zu sprechen, in totalitäre Ermächtigungsvorstellungen, Rache- und Vernichtungsphantasien führt. Er legt offen, wie diese Sprache der Gewalt sich selbst verharmlosend verkleidet. Und er macht vor, wie sich solche rhetorischen Strategien durchschauen lassen.

Professor Dr. Heinrich Detering, geb. 1959, lehrt deutsche und vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Göttingen, hat literaturwissenschaftliche Bücher und Aufsätze sowie Gedichtbände, Essays und Übersetzungen veröffentlicht, nahm Gastprofessuren und Poetikdozenturen in aller Welt wahr und erhielt zahlreiche wissenschaftliche und literarische Auszeichnungen. Von 2011 bis 2017 war er Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.