Archiv der Kategorie: Allgemein

Was heißt hier »wir«?

Heinrich Detering zur Sprache der parlamentarischen Rechten

Rechte Politiker sprechen von »Entsorgung«, von »Umvolkung«, von »Kopftuchmädchen« und »Messermännern«. Davon, dass Hitler ein »Vogelschiss« gewesen sei. Und vor allem nehmen sie für sich in Anspruch, für »uns« und »unser Deutschland« zu sprechen. Doch was für ein »Wir« setzen sie da überhaupt voraus?

Prof. Dr. Heinrich Detering.
Foto: Maren Ermisch

Der Literaturwissenschaftler und Leibnitz-Preisträger Heinrich Detering wirft einen unaufgeregten wie scharfen Blick auf die Rhetorik der parlamentarischen Rechten – und zeigt, wie ihr Anspruch, für »das Volk« zu sprechen, in totalitäre Ermächtigungsvorstellungen, Rache- und Vernichtungsphantasien führt. Er legt offen, wie diese Sprache der Gewalt sich selbst verharmlosend verkleidet. Und er macht vor, wie sich solche rhetorischen Strategien durchschauen lassen.

Professor Dr. Heinrich Detering, geb. 1959, lehrt deutsche und vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Göttingen, hat literaturwissenschaftliche Bücher und Aufsätze sowie Gedichtbände, Essays und Übersetzungen veröffentlicht, nahm Gastprofessuren und Poetikdozenturen in aller Welt wahr und erhielt zahlreiche wissenschaftliche und literarische Auszeichnungen. Von 2011 bis 2017 war er Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Freitag, 31. Januar 2020, 19:30 Uhr
Stadtteilbibliothek Rödelheim, Radilostraße 17-19
Eintritt: € 6.- (ermäßigt € 4.-)
Für Häppchen und Wein sorgt der Förderverein FörSteR

»Will keiner trinken? keiner lachen?«

Heiner Boencke. Foto: privat

Goethe und der Wein, vorgestellt von Heiner Boehncke

Weine begleiteten Goethe zeit seines Lebens. Als Enkel eines Weinhändlers, der im Weinkeller des Elternhauses kostbare Weine vorfand, verzichtete er weder in Weimar noch auf Reisen auf sein Lebenselixier. »Wenn man nicht lieben kann, soll man nicht trinken.« Heiner Boehncke, einer der Herausgeber des Bandes »Will keiner trinken, keiner lachen«, erzählt anhand von Gedichten, Liedern und Briefen von Goethes intensivem Verhältnis zum Wein. Schließlich lautete dessen Maxime: »Für Sorgen sorgt das liebe Leben / Und Sorgenbrecher sind die Reben.«

Heiner Boehncke, geb. 1944, war Professor für allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft in Frankfurt und Bremen. 1988 wurde er Leiter der Öffentlichkeitsarbeit beim Hessischen Rundfunk, 1998 Literaturredakteur im Programmbereich Kultur und Wissenschaft. Heiner Boehncke ist Autor zahlreicher Bücher und organisiert seit 2004 das Rheingau Literatur Festival als künstlerischer Leiter.

»Will keiner trinken? keiner lachen?« ist eine Gemeinschaftsveranstaltung des Fördervereins PetriHaus und des Fördervereins der Stadtteilbibliothek Rödelheim FörSteR e.V. Da am PetriHaus keine Parkmöglichkeiten bestehen, bitten die Veranstalter um die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel.

Freitag, 14. Februar 2020, 19:30 Uhr
Atelier Petrihaus, Am Rödelheimer Wehr 15
Eintritt: 10 Euro (ermäßigt 7 Euro)
Im Eintrittspreis inbegriffen ist eine Weinprobe des Weinguts Kaspar Herke aus Oestrich-Winkel.
Für Häppchen sorgt der Förderverein FörSteR
Vorverkauf:
ORTells dieses und jenes, Lorscher Str. 13, Tel: 91315862
Pappmarché, Alexanderstr. 27, Tel: 783625
Stadtbibliothek Rödelheim, Radilostraße 17-19, Tel.: 783058

Spende für die Stadtteilbibliothek

Zu Beginn des Jahres konnten die Mitglieder des Fördervereins der Stadtteilbibliothek Rödelheim FörSteR e.V. der Leiterin der Stadtteilbibliothek Brigitte Dinger einen symbolischen Scheck in Höhe von 2500 Euro übergeben. Frau Dinger bedankte sich für die großzügige Spende, die zur Erweiterung des Medienangebots sowie für eine bequeme Sitzgelegenheit für Kinder und Eltern zum Vorlesen im Kinderbereich genutzt werden soll. Darüber hinaus werden weitere Klappstühle für den flexiblen Einsatz in der Bibliothek für die sehr gut besuchten Veranstaltungen in der Stadtteilbibliothek Rödelheim angeschafft werden.

Helmut Furtmann, der 1. Vorsitzende des FörSteR versprach, dass der Förderverein auch in diesem Jahr die Bibliothek durch attraktive und engagierte Lesungen und Veranstaltungen unterstützen wird. Den Auftakt macht am 31. Januar der renommierte Göttinger Literaturwissenschaftler Heinrich Detering mit einem Vortrag »Was heißt hier wir« über die Sprache der parlamentarischen Rechten.

55 + in Rödelheim – Marktplatz für Neugierige

Brigitte Dinger, Leiterin der Stadtteilbibliothek Rödelheim und Ulrich Dalbert, Koordinator des Lesepaten-Projekts im Förderverein Förster, stellten das vielfältige Angebot der Bibliothek vor.

Am Freitag, 17. Januar 2020 fand im Auguste-Oberwinter-Haus in Rödelheim der erste Marktplatz für Neugierige statt – ein Forum, um die zahlreichen Möglichkeiten, sich in Rödelheim zu engagieren, kennen zu lernen. Rödelheimer Initiativen, Vereine, Einrichtungen und Kirchengemeinden stellten sich vor und informierten im persönlichen Gespräch über ihre Angebote. Das Format kam sehr gut an, die gut besuchte Veranstaltung wurde rege genutzt, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

Auch die Stadtteilbibliothek und der Förderverein waren dabei und stellten das vielfältige Angebot der Bibliothek und des Fördervereins Förster e.V. vor. Die Rödelheimer Stadtteilbibliothek bietet ein umfangreiches Medienangebot, das zum Lesen, Lernen, Arbeiten und Spielen einlädt und hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen kulturellen Zentrum und Treffpunkt im Stadtteil entwickelt:

  • Lesefreuden um vier: eine Stunde Literatur bei Tee und Kaffee
  • Literaturkreis „Lust am Lesen“
  • Lesepaten-Projekt
  • wechselnde Ausstellungen
  • Lesungen/Abendveranstaltungen in Kooperation mit Förster
  • Vorträge und Workshops in Kooperation mit Partnern aus dem Stadtteil
  • und vieles mehr

Wir freuen uns auf Ihren Besuch in der Stadtteilbibliothek Rödelheim und Ihre Mitarbeit im Förderverein Förster e.V.

Frankfurt liest ein Buch 2019

Autor Martin Mosebach (rechts) und Verleger Rainer Weiss

Das kleine Literatur-Festival „Frankfurt liest ein Buch“ feierte in diesem Jahr seinen zehnten Geburtstag. Im Jubiläums-Jahr wurde »Westend« von Martin Mosebach gelesen. Am 10. Mai 2019 war der Autor im Gespräch mit Rainer Weiss zu Gast in der Rödelheimer Stadtteilbibliothek.

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Förderer, Unterstützer und Partner von Frankfurt liest ein Buch,
zwei Wochen lang hat Frankfurt liest ein Buch mit dem Roman Westend von Martin Mosebach (Rowohlt Verlag) Stadt und Region literarisiert und mit rund 13.000 Besucherinnen und Besuchern sein zehntes Veranstaltungsjahr gebührend gefeiert. Ausstellungen, literarische Spaziergänge, Theater-, Film-, Buchhandels-, Bibliotheks-, Schul- und Museumsabende … Frankfurt liest ein Buch lebt von der großen Vielfalt und dem beispiellosen Engagement seiner Akteure und Beteiligten. Das gibt es nur in Frankfurt! Wir bedanken uns sehr herzlich bei Ihnen – für Ihre Unterstützung und Förderung, für Ihre Ideen, Ihren Einsatz und Ihre Treue. Ohne Sie wäre all das nicht möglich. Frankfurt liest ein Buch ist zu einem bundesweit beachteten Lesefest herangewachsen. Wir freuen uns über diese Errungenschaft und hoffen und wünschen uns sehr, gemeinsam mit Ihnen im kommenden Jahr wieder die Stadt im Buch und das Buch in der Stadt hochleben zu lassen und Menschen in einen Dialog zu bringen.
Autor Martin Mosebach bat uns, Ihnen auch seinen persönlichen Dank zukommen zu lassen.
Dr. Sabine Baumann und Silke Haug
Vorsitzende Frankfurt liest ein Buch e.V.

Hell & schnell – Texte von Robert Gernhardt

Frankfurt-Premiere! Freitag, 3. Mai 2019: Oliver Steller spricht und singt Texte von Robert Gernhardt.

Humor und Liebe, Alltag und Leben sind die Themen bei Robert Gernhardt.
Seine Gedichte sind leicht und humorvoll. So, wie seine Vorbilder Wilhelm Busch, Christian Morgenstern und Loriot, ist Robert Gernhardt ein messerscharfer Beobachter und in einer Zeit, in der uns das Lachen schon mal im Halse stecken bleibt, ein gutes Gegengift. Robert Gernhardt schenkt uns das befreite Lachen, wie wir es kaum noch kennen.

Oliver Steller beim Signieren der Gesamtausgabe von Gernhardts Gedichten.

Oliver Steller, Jahrgang ’67, ist die „Stimme deutscher Lyrik“ (FAZ). Als Musiker hat er auch in diesem Programm viele Gedichte vertont. Sein lyrischer Plauderton führt durch den Abend und macht Robert Gernhardt zu einem Gesamtkunstwerk, das heiter und unterhaltsam, aber auch sehr tiefsinnig ist. In Rödelheim ist Oliver Steller regelmäßig zu Gast, beispielsweise 2008 mit seinem Kurt-Tucholsky-Programm oder 2014 zum zehnjährigen Förster-Jubiläum mit Christian Morgenstern. Zuletzt begeisterte er das Publikum mit »Spiel der Sinne«, Lyrik von Dichterinnen, im November 2017.

»Niemand saß zu Recht in einem KZ«

5. April: Die Geschichte zweier Brüder und ihre Folgen bis heute
Lesung und Gespräch mit Professor Dr. Frank Nonnenmacher

Prof. Dr. Frank Nonnenmacher diskutierte mit dem interessierten Publikum in der Rödelheimer Stadtteilbibliothek

Frank Nonnenmacher, emeritierter Professor für Politische Bildung an der Goethe-Universität Frankfurt, beschreibt in seiner Doppelbiografie »DU hattest es besser als ICH« das Leben zweier Brüder: Sein Vater Gustav flog als Ju52-Pilot für Hitlers Luftwaffe und wurde später freischaffender Bildhauer in Worms. Dessen Bruder Ernst kam nach Verbüßung einer Strafhaft in die KZ Flossenbürg und Sachsenhausen. Ernsts Schicksal ist exemplarisch für die von den Nazis als »Asoziale« und »Berufsverbrecher« bezeichneten KZ-Häftlinge, die den grünen Winkel zu tragen hatten. Sie galten als »Ballastexistenzen«, die »durch Arbeit vernichtet« werden sollten. Bis heute sind sie nicht als Opfer des Faschismus anerkannt.

Frank Nonnenmacher ist Gründer einer Initiative zur Anerkennung dieser bislang ignorierten Opfergruppe durch einen Beschluss des Deutschen Bundestages. Die Petition wurde bisher von namhaften Abgeordneten aller Fraktionen (außer der AfD) sowie von über  21.000 Bürgern (Stand Dezember 2018) unterschrieben.

Am Vorabend der Lesung hatte im Bundestag eine Aussprache zu zwei Anträgen stattgefunden, die die Anerkennung dieser Opfergruppen fordern. Die Debatte kann hier als Videoaufzeichnung angesehen werden.

Muntere Weinlese

Freitag, 8. Februar 2019: Krimilesung mit Weinprobe mit Andreas Wagner. Ein Sommer, wie es ihn noch nie gegeben hat: In Rheinhessen regnet es ohne Unterlass. Die Trauben faulen, und die Winzer fürchten um ihre Ernte. Als Tausende Liter Wein in die Kanalisation laufen, die ältesten Reben im Dorf zerstört werden und eine kopflose Leiche auftaucht, dämmert den Ersten, dass seit dem Glykol-Skandal von 1985 noch einige Rechnungen offen sind. Winzer Kurt-Otto Hattemer beginnt zu ermitteln – und begibt sich in höchste Gefahr…

Winzer und Krimiautor Andreas Wagner erfreute das Publikum nicht nur mit unterhaltsamen Geschichten, sondern auch mit Wein vom eigenen Weingut.

Andreas Wagner ist Winzer und promovierter Historiker. Nach seinem Geschichtsstudium in Leipzig und Prag zog es ihn zurück auf das elterliche Weingut in Essenheim. Zusammen mit seinem Bruder leitet er das Familienweingut in der Nähe von Mainz und schreibt Weinkrimis.

Unterhaltsam las Wagner aus seinem Krimi „Winzerrache“ und gab interessante Einblicke ins Winzerleben. Begleitet wurde der Abend durch eine Weinprobe mit vier Weinen des Weinguts Wagner, Essenheim.

»Rettet wenigstens die Kinder«

Kindertransporte aus Frankfurt – Lebenswege von geretteten Kindern

Die abenteuerliche Reise eines Rödelheimer Mädchens über Schweden in die USA: Edith Froehlich, geb. Stern.

Nach den Novemberpogromen 1938 konnten etwa 20.000 jüdische Kinder aus Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei durch die sogenannten Kindertransporte gerettet werden. Im Mittelpunkt des Buches „Rettet wenigstens die Kinder“ stehen ihre Lebensgeschichten und die Schicksale ihrer Familien. Mitherausgeberin und Autorin Till Lieberz-Groß berichtet über die Familie Stern.

Edith Stern mit ihrer Großmutter. Foto: Familie Froehlich

Familie Stern hatte in den 1920er-Jahren ein Textilgeschäft in Alt Rödelheim. Sie waren angesehene Rödelheimer Bürger. Vater Arthur Stern war nicht nur ein tüchtiger Kaufmann und Handelsvertreter, sondern auch ein engagierter Vereinssportler, Turner und Fußballer beim Rödelheimer Fußball Club. Mutter Elly Stern führte erfolgreich das Geschäft. Ab 1933 war die alteingesessene Rödelheimer Familie dem Terror und Verfolgungen der Nazis ausgesetzt. Tochter Edith konnte im Juli 1939 ihre Heimat mit einem rettenden Kindertransport nach Schweden verlassen und so überleben. In den USA konnte Edith ein neues Leben beginnen, sie heiratete Walter Froehlich, gründete eine Familie. Edith Froehlich, geb. Stern starb im Alter von 91 Jahren im November 2014 in den USA.

In Rödelheim ist die Familie spätestens seit Anfang des Jahres bekannt, als die neu gestaltete westliche Seite des Rödelheimer Bahnhofs als „Arthur-Stern-Platz“ eingeweiht wurde. An der feierlichen Eröffnung hatten auch die Geschwister Carol und William Froehlich teilgenommen, die Kinder von Edith Froehlich und Enkel von Arthur Stern.

Lesung von Till Lieberz-Groß am Dienstag, 4. Dezember 2018 um 19.30 Uhr in der Stadtteilbibliothek Rödelheim, Eintritt frei. Eine Veranstaltung der Stadtteilbibliothek in Kooperation mit dem Projekt Jüdisches Leben in Frankfurt e.V.

Erfolgreiches Jahr

Der Förderverein der Rödelheimer Stadtteilbibliothek konnte bei seiner Jahreshauptversammlung im November 2018 auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurückblicken. Das abwechslungsreiche Veranstaltungsprogramm startete im Februar mit einer Lesung zu einer neuen Astrid-Lindgren-Biographie. Im April stand Anna Seghers Roman „Das siebte Kreuz“ im Mittelpunkt des Literaturfestivals „Frankfurt liest ein Buch“. Im Mai organisierte der Förster in der Bibliothek eine Ausstellung mit Zeichnungen von Kurt Halbritter. Nach der Sommerpause ging es weiter mit der erfolgreichen Reihe „Krimilesung im Brentanobad“, in diesem Jahr mit Pete Smith. Im September gab es ein kulinarisch-literarisches Programm zu dem legendären Koch Klaus Trebes, und im Oktober erinnerten wir an das Jahr 1968, das Jahr der Revolte. Den Abschluss bildete ein Abend mit Jo van Nelsen und seiner Grammophon-Lesung „Kabarett(isten) im KZ“.

Zudem konnte sich das Förster-Projekt „Lesepaten“ in diesem Jahr über die Auszeichnung mit dem Stadtteilpreis des Ortsbeirats freuen. 

Auch in wirtschaftlicher Hinsicht war das Jahr für den Förderverein sehr erfolgreich. Alle Einnahmen – sei es durch Spenden, Eintrittsgelder und Bewirtung bei den Veranstaltungen, sowie durch Bücher-Flohmärkte – kommen direkt der Stadtteilbibliothek Rödelheim zugute. Und so konnte in diesem Jahr beschlossen werden, zu Weihnachten eine Spende in Höhe von 3000 Euro an die Bibliothek zu übergeben. Die Vorsitzenden des Vereins, Helmut Furtmann und Ulrich Sonnenberg, überreichten im Rahmen der Veranstaltung mit Jo van Nelsen bereits symbolisch einen Scheck an Brigitte Dinger, die gemeinsam mit Anja Thabor die Rödelheimer Stadtteilbibliothek leitet.