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Kabarett(isten) im KZ

Jo van Nelsens Grammophon-Lesung

Mit seiner Grammophonlesung schlägt der Frankfurter Kabarettist Jo van Nelsen ein weitgehend tabuisiertes Kapitel der deutschen Kabarett- und Zeitgeschichte auf: Kabarett im KZ. Ob in Esterwegen, Westerbork oder Theresienstadt – viele inhaftierte Unterhaltungsstars der Weimarer Republik traten auch im KZ auf – manchmal heimlich, manchmal auf Befehl. Dieses Stück fast vergessener, weil problematischer Kulturgeschichte lässt Jo van Nelsen in diesem Abend wieder sichtbar werden. Er erzählt von den Schicksalen vieler inhaftierter Künstler, liest ihre Texte, singt ihre Lieder und spielt dazu alte Schellackplatten. Seltenes Bild- und Filmmaterial lassen diese Grammophonlesung zu einer spannenden Zeitreise und einem multimedialen Erlebnis werden. 

Jo van Nelsen. Foto: Kathrin Schander

Ein Abend gegen das Vergessen und für das Erinnern an die, deren Lebensinhalt die Unterhaltung war, auch hinter Stacheldraht. Und die erleben mussten, dass der gelbe Stern oder der rosa Winkel an ihrer Brust schwer wog – auch nach dem Krieg. Und doch auch ein Abend, an dem es viel zu lachen gibt – denn die vorgestellten Autoren und Interpreten waren einfach Meister ihres Fachs!

Eine Veranstaltung von FörSteR, Stadtteilbibliothek Rödelheim, RaUM, Courage gegen Rassismus, AWO-Ortsverein Rödelheim. Mit freundlicher Unterstützung des Kulturamtes. 

Freitag, 23. November 2018, 19:30 Uhr – ab 18:30 Uhr leckeres Buffet.
Gemeindesaal der Cyriakusgemeinde, Alexanderstraße 37 HH, Frankfurt-Rödelheim
Eintritt 10,- Euro / ermäßigt 6,- Euro

Vorverkauf: ORTells dieses und jenes, Lorscher Str. 13, Tel: 91315862
Pappmarché, Alexanderstr. 27, Tel: 783625
RaUM, Wolf-Heidenheim-Straße 7, Tel.: 783862
Stadtbibliothek Rödelheim, Radilostraße 17-19, Tel.: 783058

1968 – Das Jahr der Revolte

Freitag, 26. Oktober 2018: »Parmesan und Partisan / Wo sind sie geblieben / Partisan und Parmesan / Alles wird zerrieben«, so fasste Matthias Beltz die Revolution von 1968 zusammen, die in keiner deutschen Stadt solche Spuren hinterlassen hat wie in Frankfurt am Main. Die Forderungen der außerparlamentarischen Opposition sind nicht nur im gesellschaftlichen Leben bis heute spürbar, sondern bestimmen unsere Kultur nach wie vor maßgeblich mit. Fünfzig Jahre danach erinnern Claus-Jürgen Göpfert und Bernd Messinger in ihrem Buch »Das Jahr der Revolte – Frankfurt 1968« an das turbulente Jahr in Frankfurt. Sie lassen nicht nur die Ereignisse Revue passieren, sondern reflektieren auch die großen Irrtümer und ideologischen Verirrungen dieser Zeit.

Der FR-Journalist Claus-Jürgen Göpfert musste leider kurzfristig absagen, zwei Tage vor der hessischen Landtagswahl hatten berufliche Verpflichtungen Priorität. So bestritt Bernd Messinger allein den Abend in der Rödelheimer Stadtteilbibliothek. Messinger, der das Jahr der Revolte in Frankfurt als 16-jähriger Schüler erlebte, berichtete von der Entstehung des Buches und erzählte unterhaltsam aus seiner eigenen Erinnerung. Leider blieb am Ende keine Zeit für Diskussionen mit den Besuchern der Veranstaltung, so dass die kritische Auseinandersetzung mit den Folgen von 68 zu kurz kam.

Klaus Trebes‘ kulinarische Bibliothek

Freitag, 28. September 2018: Klaus Trebes, der legendäre Koch und Wirt des »Gargantua« im Frankfurter Westend, hinterließ bei seinem Tod 2011 eine umfangreiche kulinarische Bibliothek – nicht nur hochwertige Kochbücher, sondern auch eine Vielzahl von gastrosophischen Werken, die sich mit der Philosophie des guten Essen und der Küche befassen. Diese kulinarische Bibliothek wird nun im Rahmen eines kulinarischen Bücherflohmarkts verkauft.

hr-Moderator Martin Maria Schwarz

Martin Maria Schwarz, Redakteur und Moderator von hr2 kultur, »Gourmet-Analyst« und Gastrokritiker liest aus Kolumnen, die Klaus Trebes als gastronomischer Publizist u.a. für das Magazin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, für die Süddeutsche Zeitung und den Stern verfasst hat. Im Anschluss erfolgt die Besichtigung und der Verkauf seiner kulinarischen Bibliothek. Im Eintrittspreis sind ein Buch nach Wahl sowie von Klaus Trebes inspirierte Häppchen enthalten.

Krimilesung im Brentanobad

Freitag, 24. August 2018: Das Mädchen vom Bethmannpark

Pete Smith liest aus seinem Frankfurt-Krimi
Moderation: René Heinen, Societäts Verlag

Wie immer gut besucht: die Krimilesung im Brentanobad.

Unweit des Bethmannparks entdeckt ein Anwohner eine bewusstlose junge Frau, die sich, als sie erwacht, an nichts erinnert. Während sich Ärzte ihrer annehmen, bemüht sich die Polizei, die Identität der mysteriösen Fremden zu ermitteln. Doch niemand scheint sie zu vermissen. Als die unbekannte junge Frau in die Reha verlegt wird, begegnet sie dem Ergotherapeuten Jakob, der von der geheimnisvollen Schönen auf Anhieb fasziniert ist. Umso mehr, da sie ihn an die erste Liebe seines Lebens erinnert …

Pete Smith (Foto) wurde 1960 als Sohn einer Spanierin und eines Engländers in Soest geboren. Er studierte Germanistik, Philosophie und Publizistik und arbeitete zunächst als Kulturredakteur, bevor er sich als freier Schriftsteller in Frankfurt am Main niederließ. Für seinen Roman »Endspiel« wurde er 2012 mit dem Robert-Gernhardt-Preis des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet.

Gedenken an den Tag der Bücherverbrennung

Am 10. Mai 1933 passierte es mitten in Frankfurt: Studenten der Frankfurter Universität, darunter auch Mitglieder studentischer Verbindungen und Burschenschaften, packten einen Leiterwagen voll mit Büchern, deren Autoren vom faschistischen Regime als „zersetzend“ angesehen wurden und verbrannten sie auf dem Frankfurter Römerberg unter dem hysterischen Gegröle ihrer Gesinnungsgenossen.

Schon Heinrich Heine hatte in großer Hellsichtigkeit formuliert: „Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen!“

Erich Kästner, dessen Bücher ebenfalls in die Flammen geworfen wurden, schrieb in der Nachbetrachtung der schrecklichen Ereignisse: „Als am 10. Mai 1933 die deutschen Studenten in allen Universitätsstädten unsere Bücher tonnenweise ins Feuer warfen, spürten wir: Hier vollzieht sich Politik, und hier ereignet sich Geschichte. Die Flammen dieser politischen Brandstiftung würden sich nicht löschen lassen. Sie würden weiterzüngeln, um sich fressen, auflodern und Deutschland, wenn nicht ganz Europa in verbrannte Erde verwandeln. Es würde so kommen und es kam so.“

In ihrem Roman Das siebte Kreuz sagt Anna Seghers: „Heute sind wir hier. Was jetzt geschieht, geschieht uns!“

10. Mai, Tag der Erinnerung an die „verbrannten Bücher“ Öffentliche Lesung aus „verbrannten Büchern“, Rezitationen, musikalische Beiträge, Redebeiträge. Roman Kuperschmidt und Band sowie Almut Schwab von Klezmers Techter. Donnerstag, 10. Mai, 11 bis 17 Uhr auf dem Römer

Ritter mit spitzer Feder

Gedächtnisausstellung zum 40. Todestag des Frankfurter Zeichners und Karikaturisten Kurt Halbritter

Kurt Halbritter, Rödelheimer Karikaturist, Zeichner und Mitbegründer der legendären Satirezeitschrift »Pardon«, bezog in seinen politischen Zeichnungen für die »Frankfurter Rundschau«, den »Vorwärts« und »Pardon« treffsicher und bissig Stellung zu Militarismus, Nationalsozialismus, Rassismus, Frauenfragen und anderen gesellschaftlich relevanten Themen. Mit seinen 1968 erschienenen Zeichnungen »Adolf Hitlers Mein Kampf – Gezeichnete Erinnerungen an eine Große Zeit« initiierte und begleitete er die kritische Aufarbeitung der NS-Zeit der 70er-Jahre. Skurriles findet sich in seiner »Tier- und Pflanzenwelt« – z.B. der Barfüßer, der seit einem Jahr als Skulptur in der Kurt-Halbritter-Anlage am Blauen Steg die Menschen erheitert. Noch heute ‒ vierzig Jahre nach seinem Tod ‒ sind seine Zeichnungen und Karikaturen mehr als aktuell. Zum 40. Todestag von Kurt Halbritter zeigt die Stadtteilbibliothek Rödelheim eine Auswahl aus dem engagierten zeichnerischen Werk von Kurt Halbritter.

Illustration: Selbstporträt als halber Ritter, mit der Feder als Schwert. Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Peter Pauritsch.


Die Ausstellung ist bis einschließlich 30. Mai 2018 in der Stadtteilbibliothek Rödelheim zu sehen.

Frankfurt liest ein Buch 2018

20.4.2018: Im Rahmen des Literaturfestivals „Frankfurt liest ein Buch“ fand in Rödelheim die Veranstaltung „Weißt du schon, im KZ? In Westhofen. Literatur und Realität in „Das siebte Kreuz““ statt. Die Stadtteilbibliothek war bis auf den letzten Platz ausverkauft. Martina Ruppert-Kelly, Leiterin des Pädagogischen Dienstes der heutigen Gedenkstätte Osthofen, informierte über die Errichtung eines der ersten Konzentrationslager der Nazis, über das Lagerleben und die Haftbedingen, über reale Fluchten und die Verbindung zwischen Literatur und Realität in Anna Seghers Roman. Christoph Pütthoff aus dem Ensemble des Schauspiel Frankfurt und einer der Schauspieler der Bühnenadaption von „Das siebte Kreuz“, las ausgewählte Passagen aus dem Roman und begeisterte mit seinem lebendigen Vortrag das Publikum.

Ausgezeichnete Lesepaten

Beim Neujahrsempfang des Ortsbeirats am 20. Februar wurde unser Lesepaten-Projekt mit dem Stadtteilpreis ausgezeichnet. Das Lesetraining ist vor fünf Jahren aus dem Angebot der offenen Hausaufgabenhilfe entstanden. Das Konzept ist so einfach wie erfolgreich: Ehrenamtliche Lesepaten unterstützen Grundschulkinder beim Lesenlernen, nach zehn Terminen erhält das Kind ein Buchgeschenk. Die Lesepaten und der Koordinator des Projekts freuen sich über die Auszeichnung und das Preisgeld in Höhe von 250,- Euro.

Astrid Lindgren. Ihr Leben

Am 2. Februar stellte Ulrich Sonnenberg, Übersetzer der Biografie von Jens Andersen, die weniger bekannten Seiten Astrid Lindgrens vor.

Vor etwas mehr als siebzig Jahren erblickte Pippilotta Viktualia Rollgardina Krusmynta Efraimsdotter Långstrump das Licht der literarischen Welt und begründete die außergewöhnliche Karriere der Schriftstellerin Astrid Lindgren. Auf „Pippi Langstrumpf“ folgten Bücher, die die Kinderliteratur revolutionierten – und ihre Autorin schon zu Lebzeiten zu einer Legende werden ließen. 2002 verstarb Lindgren 94-jährig; man kannte sie als engagierte Frau, die für Frieden, Gerechtigkeit und die Rechte von Kindern eintrat. Jens Andersen erzählt in seiner preisgekrönten Biografie „ihr Werk und Leben erschreckend neu“ (SZ). Über Jahre hinweg studierte er unveröffentlichte Quellen, und so kommt eine Autorin zu Wort, die nicht nur weltweit Erfolge feiern durfte, sondern Einsamkeit und Trauer kannte und ein Leben lang von Schuldgefühlen geplagt war. Zugleich aber erzählt Jens Andersen eine Geschichte von Moderne und Modernisierung – Astrid Lindgren, die das 20. Jahrhundert miterlebt und mitgeprägt hat, wird zu einer bewundernswerten Ikone des Jahrhunderts der Gleichberechtigung.

Ulrich Sonnenberg arbeitet als freier Übersetzer und Herausgeber aus dem Dänischen und Norwegischen in Rödelheim. Zu den von ihm übersetzten Autoren gehören Hans Christian Andersen, Carsten Jensen und Karl Ove Knausgård. 2013 erhielt er den Übersetzerpreis des Staatlichen Dänischen Kunstrats.

»Spiel der Sinne«

Oliver Steller spricht und singt Lyrik von Dichterinnen. Mit Bernd Winterschladen (Saxophon).

Bei der letzten Förster-Veranstaltung des Jahres am 17. November 2017 präsentierte Oliver Steller in seinem Programm »Spiel der Sinne« ein Kaleidoskop poetischer Frauenstimmen, über Jahre zusammengetragen aus vielen kleinen Bruchstücken. Ein lyrisch-musikalisches Miteinander, Nebeneinander und Gegeneinander von Gedichten und Liedern. »Scharfsinnig, einfühlsam, unterhaltsam und überraschend!« (Focus). Mit Texten von Else Lasker-Schüler, Mascha Kaléko, Hilde Domin, Ina Seidel, Ingeborg Bachmann, Karin Kiwus, Rose Ausländer, Annette von Droste-Hülshoff, Eva Strittmatter, Marie-Luise Kaschnitz, Ulla Hahn und viele anderen. Unterstützt wurde Oliver Steller durch den Saxophonisten und Klarinettisten Bernd Winterschladen.

Oliver Steller, Jahrgang 1967, hat seine Liebe zur Literatur nach der Schule wiederentdeckt. Seitdem vertont er Gedichte. Im Anschluss an ein Musikstudium in den USA und einem Jahrzehnt als freischaffender Musiker, gab der Gitarrist und Sänger 1995 sein Debüt als Rezitator. Für die FAZ ist Oliver Steller »die Stimme deutscher Lyrik«.