Bachtyar Ali: »Der letzte Granatapfel«

Foto: Unionsverlag
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Bachtyar Ali erzählt in seinem Roman „Der letzte Granatapfel“ die Geschichte von Muzafari Subhdam, der sich an Bord eines Bootes befindet, das ihn zusammen mit anderen Flüchtlingen in den Westen bringen soll. Als hochrangiger Peschmerga war er in einundzwanzigjährige Gefangenschaft geraten. Wieder in Freiheit, begibt er sich auf eine Reise durch das, was aus seinem Land geworden ist. Eine Reise durch Geschichten, Geheimnisse und zu Personen, die ihm dabei helfen, seinen verschollenen Sohn zu finden. Eine Reise, die ihn schließlich auf den Weg führt, den schon Tausende vor ihm genommen haben: übers Mittelmeer in den Westen. Ein Roman von bedrückender Aktualität und berückender Poesie.

Bachtyar Ali wurde 1966 im Nordirak geboren. 1983 geriet er durch sein Engagement in den Studentenprotesten in Konflikt mit der Diktatur Saddam Husseins. Er brach sein Geologiestudium ab, um sich der Poesie zu widmen. Sein erster Gedichtband erschien 1992, inzwischen umfasst sein Werk Romane, Gedichte und Essays. Seit Mitte der Neunzigerjahre lebt er in Deutschland.

Lesung und Gespräch mit Martin Maria Schwarz / hr2 kultur. Martin Maria Schwarz hat Germanistik, Romanistik und Kunstgeschichte studiert und arbeitet als Redakteur, Sprecher und Moderator in der Kulturredaktion des Hessischen Rundfunks und als Autor u. a. für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Und wie sich erst kurzfristig ergeben hat, wird der Abend musikalisch begleitet durch Diab Omer, der traditionelle kurdisch-syrische Volksmusik auf der kurdischen Bouzouk spielt.

Freitag, 17. März 2017, 19:30 Uhr, Stadtteilbibliothek Rödelheim, Eintritt: € 6.- (ermäßigt € 3.-), für Häppchen und Wein sorgt wie immer der Förderverein FörSteR

Das schreibt die Presse über „Der letzte Granatapfel“:

»Das Buch ist ein Paukenschlag, einer der intensivsten Texte aus dem orientalischen Raum, die seit Langem zu lesen waren. Sofort versteht man, warum der Autor in seiner Heimat Kultstatus genießt. Wie konnte ein solches Buch, ein solcher Autor sich vor unserem Buchmarkt so lange verbergen? Wir werden noch viel von ihm hören und lesen.« Süddeutsche Zeitung

»Zwanzig Jahre lebte der Erzählmagier aus Kurdistan unentdeckt in Deutschland. Nun legt der Unionsverlag seine bildmächtige Parabel über die Unterdrückung und den Bruderzwist der irakischen Kurden vor. Die Erzählung überspannt rund zwei Jahrzehnte, doch hebt Ali seine Erzählung weitgehend aus der Verankerung in der Realität und malt eine Phantasmagorie aus Rauch und Licht. Er lotet den Bruch aus, der die im Widerstandskampf gestählten und im kurdischen Bruderkrieg schuldig gewordenen Väter von ihren Kindern trennt, die auf der verbrannten Erde dieser Heimat aufwachsen mussten; einen Abgrund, in dem die Söhne vor den Vätern sterben und diese ratlos mit der Liebesschuld ringen, die sie gegenüber ihren Kindern nie einlösen konnten.« Neue Zürcher Zeitung

»Bachtyar Ali steigt in Der letzte Granatapfel ein, als erzählte er ein mesopotamisches Märchen. Das ist nur ein Grund dafür, dass sein Buch eine so wunderbare Schöpfung geworden ist. Über seiner zeitlosen Erzählung schwebt die Realität, die sich dem Leser nicht aufdrängt. Trotzdem erkennt er, welche Grausamkeiten sich auf diesem Flecken Erde in jüngerer Zeit abgespielt haben.« Die Presse, Wien

»Seine Sprache ist bildgewaltig, fantastisch und sehr lyrisch – die Grenzen zwischen realistischer Geschichtsbeschreibung und Fantasie verschwimmen. Das Buch entfaltet eine helle, gesellschaftskritische Kraft. Es ist seltsam, dass dieser Schriftsteller, der seit achtzehn Jahren in Deutschland lebt, noch nicht in einem deutschen Feuilleton aufgetaucht ist. Die literarische Welt hat Nachholbedarf in Sachen Globalisierung.« Kölner Stadt-Anzeiger

»Der Roman des in Deutschland lebenden Autors erzählt von einer alptraumhaften Suche eines Vaters nach seinem Sohn in Kurdistan. Die Geschichte ist ebenso grausam wie berührend und zutiefst menschlich. Gewalt und Leid werden dabei, anders als häufig in den orientalischen Literaturen der Gegenwart, von Bachtyar Ali nie ästhetisiert, sie taugen nicht für Voyeurismus oder einen schnellen Kick. So bekommen Alis Figuren eine Würde, die auch die Erzählhaltung selbst auszeichnet und die ihren zutiefst humanen Ton begründet. Man wohnt staunend der Wiederverzauberung der Welt von ihrem tiefsten, elendsten Punkt aus bei, einer Manifestation der Menschlichkeit angesichts der größten Verzweiflung. Nach der Lektüre dieses Romans darf man erwarten, noch viel von diesem Autor zu hören und zu lesen.« Deutschlandradio

»Für viele seiner Landsleute ist er das Gewissen eines katastrophengebeutelten Volkes. Dieser Roman hat das Zeug, in den Rang der Pflichtlektüre erhoben zu werden.« ORF TV

»Bachtyar Ali erschafft einen mitreißenden magischen Realismus und er schöpft aus dem bilderreichen Fundus orientalischer Erzähltradition mitsamt ihren Mythen, Märchen und Legenden. Und wie von Zauberhand schlägt er einen Bogen in die Gegenwart des Jahres 2016.« Nürnberger Nachrichten

»Bitte mehr davon. Mehr von diesem Autor.« Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

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